Forderungen der IG Metall für die westdeutsche Stahlindustrie

 

Die Forderung der IG Metall nach Entgelterhöhungen von 8,2 % wird vor allem den Gefahren, die sich für die deutsche Wirtschaft insgesamt und insbesondere für die deutsche Stahlindustrie aus dem Krieg in der Ukraine ergeben, nicht gerecht.

Wenngleich in einigen, keineswegs in allen unseren Mitgliedsunternehmen aufgrund der bisherigen Geschäftsentwicklung derzeit mit auskömmlichen bis guten bilanziellen Jahresergebnissen gerechnet wird, ist die Liquiditätssituation der Stahlindustrie insgesamt angesichts der explodierenden Rohstoff- und Energiepreise äußerst angespannt. Die Unternehmen müssen ihre Rohstoffe zum Teil über Monate vorfinanzieren. Es besteht die große Gefahr, dass eine sich weiter verschärfende Lage in der Ukraine und insbesondere eine Unterbrechung der Versorgung der deutschen Industrie mit Erdgas zu einem schlagartigen, dramatischen Einbruch der Wirtschaftstätigkeit in Deutschland führt. Dies würde die gesamte deutsche Stahlindustrie, die am Anfang der industriellen Wertschöpfungsketten steht, existenziell gefährden, da sie ihre teuer eingekauften Rohstoffe nicht refinanzieren könnte.

Angesichts dieser Ausgangssituation wäre es völlig unverantwortlich, die höchst ungewisse nähere Zukunft unserer Industrie durch einen Tarifabschluss auch nur in der Nähe der Forderung der IG Metall weiter zu belasten.

Auch die derzeitige Inflation rechtfertigt die Forderung nicht: die Teuerung ist vor allem durch Versorgungsengpässe aufgrund von temporären Störungen der internationalen Logistikketten sowie durch den Krieg in der Ukraine verursacht. Diese Effekte treffen die deutsche Stahlindustrie ebenfalls mit voller Wucht und zählen zum allgemeinen Lebensrisiko. Es ist aber nicht die Aufgabe der Tarifparteien, gleichsam eine Art von Versicherung gegen derartige allgemeine Lebensrisiken zur Verfügung zu stellen.

Dr. Gerhard Erdmann, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbandes Stahl, erklärt: „Gerade in der aktuellen, von existenziellen Ungewissheiten gekennzeichneten Lage sind die Tarifparteien aufgefordert, Lösungen zu finden, die die Erwartungen der Beschäftigten und die finanziellen Möglichkeiten der Unternehmen in verantwortlicher Weise ausbalancieren. Auch wenn wir die moderate Tonlage unseres Tarifpartners wahrnehmen, entspricht die geltend gemachte Forderung in ihrer Höhe dem Gebot der Stunde nicht.“

Düsseldorf, den 26.04.2022
 

          Arbeitgeberverband Stahl e.V.
         
gez. Dr. Gerhard Erdmann